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Nürnberger Zeitung vom 09.10.2006
"Henry und Walter - zwei Brüder aus Fürth"
BR-Fernsehmoderatorin Evi Kurz ist Autorin, Regisseurin und Produzentin der "Kissinger-Saga"
Von Thomas Nagel
 
FÜRTH — Schon das Intro verspricht Exklusives. Er spreche mit der Autorin, Regisseurin und Produzentin Evi Kurz über Fragen, "die ich an sich hier in Amerika nicht beantworte", sagt Henry Kissinger, in einem gestreiften Ohrensessel sitzend. Das weckt Erwartungen, die man hinter dem eher schlichten Titel "Die Kissinger-Saga. Henry und Walter - Zwei Brüder aus Fürth" nicht unbedingt vermuten möchte.
 
Unwillkürlich fragt sich der Betrachter, wie die Ex-Rundschau- und jetzige BR-Frankenschau-Moderatorin, Evi Kurz, die sich selbst als "kleine Journalistin" bezeichnet, das angestellt hat? Die Antwort ist einfach: Sie hat wirklich unangenehme Fragen von vornherein ausgeklammert.
 
Das Private stand im Mittelpunkt
 
Die politische Seite des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger "war keine Frage zwischen uns", erzählt Kurz nach dem Preview der 45-minütigen Kurzfassung ihres Films am Freitag im Nürnberger Presseclub. Sie sei von vornherein nur an den Privatmännern Kissinger interessiert gewesen.
 
Der eigentliche Erzählstrang des Films beginnt mit dem letzten Besuch von Henry und Walter Kissinger in Fürth. Der berühmte Fürther und sein hierzulande fast unbekannter Bruder machen, begleitet von örtlichen Honoratioren und der Presse, einen Rundgang zu den Stätten ihrer Kindheit, und natürlich zum Geburtshaus in der Marienstraße 5. "Wir erinnern uns auch an glückliche Tage", sagt Henry.
 
Es folgt ein Schnitt ins sommerliche Colorado. Walter reitet durch die Landschaft. Der Zuschauer erfährt, dass der "andere Kissinger" als Wirtschaftsmanager äußerst erfolgreich war und noch ist. Dann erzählen die Brüder - von den schönen Kindheitstagen in Fürth, über ihre Eltern, von den Ferien bei den Großeltern in Leutershausen (Kreis Ansbach).
 
Die Schilderung der Ausgrenzung der jüdischen Familie unter der NS-Herrschaft ist rührend. Fürths Oberbürgermeister Thomas Jung erzählt nachher, er habe geweint, als er diese Szenen zum ersten Mal gesehen habe. "Es ist deutlich geworden, was Kinder erleiden mussten, deren Eltern Fürth so viel zu verdanken hat", begründet er seine Ergriffenheit.
 
Für Walter Kissinger war die Arbeit am Film eine intensive Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Eine der berührendsten Szenen ist seine Reaktion auf die Frage, wie Eltern und Großeltern, die Nazi-Schikanen ab 1933 erklärt haben. Er erstarrt und sagt sekundenlang nichts. Dann bittet er: "Could we stop the film", können wir unterbrechen?
 
Harte Jahre in New York
 
Es geht weiter durch das Leben der Kissingers. Die Ausreise nach Amerika 1938, die vor allem auf Betreiben von Mutter Paula zustande kommt, die schwierigen Anfangsjahre in New York, die Militärzeit der Brüder und schließlich ihre Erfolgsgeschichte ganz nach dem Drehbuch des amerikanischen Traums. Die Brüder zeigen dazu Fotos und Briefe und führen die Filmemacherin zu dem Haus in New York, wo die Familie nach der Ausreise zuerst wohnte. Am Ende steht die triumphale Rückkehr nach Fürth.
 
Der Zuschauer erfährt tatsächlich so manches über die Familie Kissinger, was bisher unbekannt war. "Gerade über die Kindheit der Kissingers und ihre Verarbeitung der Nazi-zeit wussten wir bislang nichts", sagt der Historiker Gregor Schöllgen von der Universität Erlangen-Nürnberg, der Kurz in historischen Fragen beriet und den Film "sehr gelungen" findet.
 
Unbeantwortet bleiben allerdings die nicht minder interessanten Fragen, wie der Privatmann Henry Kissinger zu den Vorwürfen gegen seine Amtsführung als US-Außenminister steht, die ihm schon mehrere gerichtliche Vorladungen in verschiedenen Ländern eingebracht haben, denen er nicht nachkam. Unter anderem soll er aktiv den Putsch Pinochets gegen die Regierung Allende in Chile unterstützt und 1975 die völkerrechtswidrige indonesische Invasion in Osttimor autorisiert haben, die rund 60 000 Menschen das Leben kostete.
 
Der Film von Evi Kurz leidet unter dem bekannten Dilemma des "Embedded-Journalism": Die Nähe zum Subjekt wird erkauft um den Preis der Selbstzensur. Die journalistische Distanz weicht einer Solidarisierung. Das Argument, es gehe ihr nur ums Private, zieht dabei wenig. Schließlich widmet Evi Kurz einen Teil ihres Films auch den politischen Meriten des Friedensnobelpreisträgers Henry Kissinger. Schöllgen bringt das Problem auf den Punkt: "Bei der ersten kritischen Frage in Richtung Politik wäre der Film vorbei gewesen." Evi Kurz wollte den Film, der anders nicht möglich gewesen wäre. Einen Vorwurf kann man ihr daraus nicht machen. Thomas Nagel
 
 Die Kissinger-Saga zwei Mal im TV: 18. Oktober, 23.15 Uhr, ARD (45-minütige Kurzfassung); Anfang Januar 2007 im Bayerischen Fernsehen die 90-minütige Langfassung.
 
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