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Berliner Zeitung vom 18.10.2006
Zwei Karrieren aus Fürth
Mit amerikanischfränkischem Akzent: ein warmherziges Porträt über die Brüder Kissinger
Von Holger Schmale
 
Wer heute Abend nach Harald Schmidt noch ein wenig Lust auf sehr persönlich beschriebene Zeitgeschichte hat, der sollte bei der ARD bleiben. Dort erzählt die Filmemacherin Evi Kurz "Die Kissinger Saga". Das Bemerkenswerte an dem Film ist, dass er keine weitere Variante der vielfach beschriebenen Karriere des Staatsmannes und Friedensnobelpreisträgers Henry Kissinger bietet. Vielmehr wirft die aus Fürth stammende Autorin einen intensiven Blick auf die weithin unbekannte private Geschichte der jüdischen Familie Kissinger aus Fürth, die es 1938 gerade noch schaffte, Deutschland zu verlassen.
 
Die gemeinsame Heimatstadt war der Schlüssel, der Evi Kurz den Zugang zu den Kissingers und ihren privaten Fotoalben, Dokumenten und Erinnerungen geöffnet hat. So sind in dem Film noch nie öffentlich gezeigte Bilder aus den Kinder- und Jugendjahren von Henry und Walter Kissinger zu sehen, Tagebuchaufzeichnungen, Briefe und Dokumente einer Familie, die dem Naziterror entging und deren Söhne als Einwanderer in den USA sensationelle Karrieren machten. Als weltbekannter Politiker der eine. Als Unternehmer der andere, um ein Jahr jüngere, in Deutschland weitgehend unbekannte Bruder. Evi Kurz folgt ihren Spuren, besucht die Stätten ihrer Kindheit und folgt den Vertriebenen nach Amerika. Sie erzählt über ihren Aufstieg und begleitet die beiden auf einer sentimentalen Reise zurück nach Fürth.
 
Im Zentrum aber stehen die Gespräche mit Henry und Walter, die erstmals vor einer Kamera über ihre Kindheit in Nazi- Deutschland erzählen. Henry Kissinger tut dies in seinem tief rollenden Deutsch mit amerikanisch-fränkischem Akzent. Er sitzt entspannt und würdig in einem hohen Lehnstuhl, korrekt in Sakko, Schlips und Kragen gekleidet und spricht mit abgeklärter Altersgüte. Seinen Bruder hat Evi Kurz auf der Terrasse seiner Ranch in Colorado interviewt. Er sitzt im Schaukelstuhl, in Jeans und Cowboyhemd. Er spricht nur englisch, doch ihm gehen die Fragen und Erinnerungen wesentlich näher als seinem Bruder.
 
Der Film ist eine warmherzige Hommage, die auf kritische Nachfragen verzichtet. Aber er beleuchtet auf anrührende und interessante Weise das Leben zweier Männer aus einer ganz eigenen deutsch-amerikanischen Welt. Henry und Walter Kissinger, 23.15 Uhr, ARD
 
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