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"Nürnberger Nachrichten" vom 30.06.2007
Zwei Brüder aus Fürth
Nach dem Film das Buch: "Die Kissinger-Saga" von Evi Kurz
Von Alexander Jungkunz
 
Der Film berührte: Erstmals erzählten Henry Kissinger und sein Bruder Walter über ihre Wurzeln - "zwei Brüder aus Fürth", die auf verschiedene Weise Karriere machten. Nun legt die Journalistin Evi Kurz nach - mit dem Buch über "Die Kissinger-Saga". Es bietet mehr Information, weniger Emotion als der Film.
 
FÜRTH - In diesem Jahr wollen sie wieder mal nach Fürth, zum Stadtjubiläum. Irgendwann im Herbst, aber das Datum wird noch nicht verraten. Auch das wird dann eine sentimental journey für die Brüder Kissinger: Sie hängen an Fürth. In einem Interview mit der Zeit sagte Henry gerade: "Ich fühle mich persönlich meiner Heimat immer noch sehr eng verbunden, und das hat sich über all die Jahrzehnte nicht geändert."
 
"Ich kehre zurück"
 
Trotz allem, muss man ergänzen. Trotz jenes Tages im August 1938, an dem die Familie Fürth verlässt. "Als bei uns in der Marienstraße gepackt wurde, kam ein Zollbeamter, und ich sagte zu ihm: "'Eines Tages werde ich hierher zurückkehren'", berichtet Henry. Er behielt Recht, denn er kam sehr oft zurück, trotz allem. Trotz der Zwangsbeurlaubung seines Vaters Louis am 2. Mai 1933 zum Beispiel: Die Nazis versetzten den äußerst beliebten Lehrer am Mädchen-Lyzeum wie alle anderen jüdischen Beamten "in den dauernden Ruhestand" - "ein Schlag, von dem sich der Lehrer Louis Kissinger zeitlebens nie ganz erholen wird", schreibt Evi Kurz.
 
Ihr ist es in jahrelanger Arbeit - die sie äußerst detailliert beschreibt - gelungen, einen sehr persönlichen Kontakt zu Henry und Walter Kissinger aufzubauen. Einen Kontakt, der auch und vor allem auf der gemeinsamen Herkunft Fürth basiert. So entstand jener 90-minütige Film, der im Bayerischen Fernsehen und (gekürzt in der ARD zu sehen war und nun auch auf DVD zu haben ist. Er zeigt bewegende Szenen. Als Evi Kurz etwa fragt, wie denn die Eltern versuchten, ihren Söhnen die Nazi-Zeit zu erklären und zu begründen, warum sie nun nicht mehr ins Flussbad gehen dürfen - da schweigt Walter Kissinger, der erfolgreiche Unternehmer, lange, sehr lange. "Could we stop the film?", fragt er dann - "können wir den Film anhalten?"
 
Solche Szenen lassen sich im Buch schwer wiedergeben. Dafür bietet es viele Informationen über Herkunft und Geschichte der Kissingers. Im Sommer 1938 verließen sie Fürth - kurz vor der Reichspogromnacht. Elf Verwandte wurden später in Konzentrationslagern getötet. Dann der mühsame Neustart in New York, wo Mutter Paula schneller Fuß fasst als der Vater. Und wo die Söhne rasch aufsteigen - für sie wird Amerika in der Tat zum Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Was er denn geworden wäre, wenn er in Fürth geblieben wäre, wurde Henry oft gefragt. Studienrat in Nürnberg, antwortete er darauf gern.
 
Gegen "Heuschrecken"
 
So aber machen sie Bilderbuch-Karrieren. Walter als harter, aber fairer Geschäftsmann mit ethischen Maßstäben, die heute aktueller klingen denn je. Wie eine Mahnung vor den "Heuschrecken", die andere Firmen aufkaufen und zerlegen, liest sich, was er 1983 schrieb: "Unsere Werte haben sich so dramatisch gewandelt, dass der Angriff heute als fester Bestandteil der Strategie seriöser Unternehmen gelten kann. Der rasch zunehmende Trend zu erzwungenen Übernahmen schafft in der Wirtschaft eine feindselige Atmosphäre" - mit hohen Verlusten "hinsichtlich der Menschen, der Produktivität und des Selbstvertrauens."
 
Und Henrys rasanten Aufstieg zum Sicherheitsberater und dann zum Außenminister begleiten Zitate prominenter Zeitzeugen wie Helmut Schmit oder Hans-Dietrich Genscher. Die höchst umstrittenen Methoden des Friedensnobelpreisträgers werden nur knapp erwähnt - sonst wären Buch und Film so nicht zu Stande gekommen, denen es um anderes, um Privates geht.
 
Eltern im Zentrum
 
Um die Eltern der Kissingers vor allem. Um die in fein ziselierter Handschrift aufgesetzte Rede von Louis Kissinger zum Beispiel, die er 1975 hielt, als sein Sohn die Goldene Bürgermedaille der Stadt Fürth erhielt. "Mein Vater hielt eine viel bessere Rede als ich", sagte Henry danach. Voller gemischter Gefühle war Louis Kissinger in seine Fürther Heimat zurückgekehrt. Jene Heimat, die ihn verstoßen hatte, an der er aber doch hing, wie auch seine Söhne. Es ist so auch eine bewegende Geschichte von deutschen Verlusten, Verbrechen und von Versöhnung, die Evi Kurz am Beispiel der Kissingers erzählt.
 
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